DAS PLAKAT - KUNST DER STRASSE

1890-1910

 

Die Jahrhundertwende „1900“ im Blick, befeuert von technischem Fortschritt und wirtschaftlichem Aufschwung, konnte auch die Kunst nicht stillhalten, sie schien in diesen Jahren zu vibrieren, ja förmlich zu explodieren. In allen Sparten der Kunst gibt man sich betont experimentell, Ergebnis ist ein bemerkenswerter Pluralismus der Stile, selbst Gattungsgrenzen scheinen für eine kurze Zeit keine Rolle mehr zu spielen. Vor allem im Zuge von „Art Nouveau“ bzw. „Modern Style“, von „Sezessions-“  oder „Jugendstil“ wagte man es, gestalterisch mit nie gekanntem Mut zu neuen Ufern aufzubrechen. Es ging darum, die Welt in völlig neue Formen zu gießen, sie buchstäblich neu einzukleiden und dabei für die Kunst neue Räume zu erschließen. Besonders augenfällig geschieht diese Entwicklung im Bereich der graphischen Künste. Vormals eingegrenzt auf das Genre der Illustration, geschaffen für die persönliche Zwiesprache, in der Regel dargeboten im Kabinettambiente, tritt die Kunst der Zeichnung nun hinaus auf die Straße, auf die öffentlichen Plätze, und sie kann laut sein. Sie wirbt mit ganz neuen Mitteln, sie fesselt den Passanten unmittelbar, sie scheint fast laut zu rufen.

Von der nüchternen Bekanntmachung an der Wand, beschränkt auf Mittel der Schrift, entwickelt sich seit den 1880er-Jahren als neues Medium das Plakat. In ihm vereinen sich nun gleichberechtigt Textbotschaft und Bild – ihre jeweilige Wirkung potenzierend – und lassen es so zu einer eigenen, neuen Kunstgattung werden. Die in diesen Jahren entwickelten Regeln wurden zur Grundlage des Grafikdesigns, wie es noch heute unser Lebensumfeld prägt.

Der Museumsberg Flensburg besitzt eine der größten Sammlungen an Jugendstilplakaten, sie wurde bereits in den 1890er-Jahren angelegt. Die in dieser Ausstellung gezeigte Auswahl französischer, englischer und deutscher Künstler umfasst unter anderem Werke von Jules Chéret, Eugène Samuel Grasset, Alfons Mucha und Henri de Toulouse-Lautrec.

 

Jugendstilplakate